Kirche Startseite Aktuelles 25.4.2017 Lage Ansichten Geschichte Firmen Vereine Publikationen Gästebuch Heimatstube Chronik
                 Die Kirche zu Gladitz Von der alten Kirche zu Gladitz ist dieser Holzschitt bekannt. Wir wissen, dass die Kirche im Jahre 1886 abgerissen wurde, um einem Neubau Platz zu machen.
Die neue Kirche wurde in den Jahren 1886 bis 1888 gebaut. Besonders schweren Schaden hat die Kirche  in der Nacht vom 18. zum 19. Dezember 1986 genommen, als eine Sturmbö den 20m hohen Turm auf das Kirchendach schleudert.

So war es bis 1986

nach dem Absturz des Turmes1986

Seitenansicht - die Sandsteinreliefs sind leider bis zur Unkenntlichkeit verwittert
komplette Seitenansicht
Eingangsportal
Kirchvorplatz - als Erinnerung an den Absturz des Turmes im Vordergrund die Trümmer mit einer Informationstafel  
Die Kirche von Gladitz Von Gladitz haben wir schon frühzeitig Kunde, denn bereits 1227 werden Conrad Silex de Gladuz und Degenhard de Gladuz unter den adligen Zeugen einer Zeitzer Urkunde erwähnt und ebenso ein Herr de Gladuz 1235 als Zeuge in einer Posaer Urkunde. 1238 waren zwei Brüder Conradus de Gladicz als Herren des Rittergutes Lehensinhaber der Advokatie der Zeitzer Probstei und 1387 verkauften zwei Brüder Schöppen zu Gladiß ihre dortigen Güter an den Zeitzer Bischof. Schon im Mittelalter zu katholischer Zeit hat Gladitz eine Kirche besessen, denn im Inventar der Kirche werden 1575 neben zwei kleineren Kirchenglocken, vier zinnernen Leuchtern, einem vergoldeten Kelch und anderen Gegenständen eine vergoldete Monstranz erwähnt sowie ein schwarzes und ein gelbes Messgewand und ein Chorrock.  Kirchenpatron war 1549 Georg von Haugwicz und 1575 Levin vin Bresen. Dieser ließ 1575 nach der Kirchenvisitation unter dem damaligen Pfarrer Kretzmar die Pfarre neu aufbauen und stellte auch einen Platz für die neu zu gründende Schule zur Verfügung. Die "Leipzigische Matricul zur Pfarre Gladitz" von 1575 bezeichnet Gladitz als Hauptpfarre und Hollsteitz und Gaumnitz zu Filialkirchen von ihr.  Von 1657 bis 1834 war die noch heute in Zeitz ansässige Familie von Landwüst, der in jener Zeit das Gladitzer Rittergut gehörte, Patronatsherr der Kirche. 1677 berief Joseph Christoph von Landwüst an sie den Pfarrer Georg Wolter, dessen Sohn Gottfried Egydius Wolter mit der Tochter Christiane Sophia des bekannten Zeitzer Domherren Johann Martin Luther II, des Ururenkels des Reformators verheiratet war. Nach dem Tode seines Vaters war er von 1729 bis 1745 dessen Nachfolger an der alten Gladitzer Kirche. In ihr wurden nicht nur seine Kinder als Luthernachkommen getauft, sondern auch später zwei Luthernachkommen getraut.  Die im Jahre 1886 abgerissene Kirche, die einige Zeit vor ihrem Abbruch von einem Fachmann als ein unansehnliches und uninteressantes, stilloses Gebäude bezeichnet wurde, lag einige Meter oberhalb der jetzigen Kirche. Sie stammte, wie aus den überlieferten Abbildungen zu entnehmen ist, aus der Zeit der Gotik, hat aber später einmal eine einschneidende Änderung über sich ergehen lassen müssen..  Nach der Abbildung von ungefähr 1750 war die Kirche ein einschiffiger gottischer Bau mit einem aus fünf Seiten des Achtecks gebildeten Chorabschluss. An der Vorderwand hatte sie eine zum Teil in Holzfachwerk errichtete, westlich neben dem Chor angebaute Sakristei und am Westgiebel einen in der Renaissance- oder Barockzeit auf das Satteldach der Kirche aufgesetzten viereckigen hölzernen Turm mit geschweiftem Helmdach und abschließender "Laterne".  Der fünfseitige Chor besaß fünf große gotische Spitzbogenfenster, das Kirchenschiff dagegen an der Nordwand nur ein und an der Südwand zwei solche Fenster. Der Eingang der Kirche lag zweifellos dorfwärts auf der Süd- oder Westseite, außerdem befand sich noch eine (spätgotische?) Tür mit Segmentbogen auf der Südseite. Nach der Ansicht der Kirche von 1886 hat sie später einmal insofern eine Veränderung erfahren, als- wohl infolge von Baufälligkeit- ihre schönsten Bauteile, der fünfseitige, gewölbte Chor und der Turmhelm samt Laterne abgebrochen wurden und die Kirche stattdessen im Osten einen einfachen glatten Mauerabschluss und als Turmadch ein einfaches Zeltdach erhielt. Auf der Südseite hatte das Kirchenschiff (wie wohl schon früher) zwei große gotische Spitzbogenfenster und außerdem zwischen ihnen, ebenso wie auf der Westseite, eine einfache rechteckige Tür.  Der mit einer einfachen Holzdecke versehene, äußerst schlichte Kirchenraum besaß vor der fensterlosen Ostwand eine in barocker Weise über den Altar vorgebaute Kanzel und ihr gegenüber eine einstöckige Empore, die drei Seiten des Raumes umschloss und auf ihrem westlichen Mittelteil die Orgel trug.  Im hölzernen Turm befanden sich zwei kleine Glocken von 76 un 58 cm Durchmesser, von denen die kleine, ältere, noch aus der katholischen Zeit stammende mit 7 kleinen undeutlichen Heiligenbildern geschmückt war. Die größere aus dem Jahre 1599 trug in großen lateinischen Buchstaben die Inschrift: "Anno 1599 eo tempore Hans Jhan a Puster collator et huius ecclesiae Erasmus Kretzmar pastor h.m. Naumburg", wonach im Jahre 1599 Hans Jhan Puster Collator und Erasmus Kretzmar Pfarrer dieser Kirche war.  Nach Abbruch der alten Kirche wurde im gleichen Jahre 1886 sofort mit dem Bau der jetzigen stattlichen Kirche begonnen, die sich nur einige Meter unterhalb des alten ehemaligen Baues hinter dem Rittergut an dem am nördlichen Dorfrand gelegenen Hange erhebt. Sie wurde am Trinitatis-Sonntag 1888 eingeweiht und ist in dem in jener Zeit verhältnismäßig wenig verwendeten herben Stile der Frühgotik erbaut.    In recht bemerkenswerter Stilreinheit schmückt die Kirche an der westlichen Eingangsseite ein von zwei Eckstrebepfeilern gestützter und von einem Treppenturm begleiteter schöner, stattlicher Turm, der dem ganzen Bau seine besondere Note gibt und mit seinem zwischen vier Dreicksgiebeln achteckig aufsteigenden spitzen Turmhelm in echt gotischer Weise hoch in den Himmel ragt.  Ein besonderes Schmuckstück des Turmes, der im oberen Geschoss auf drei Seiten der Glockenstube dreiteilig gekuppelte Kleeblattbogenfenster und darunter an der Frontseite ein rundes Sechspassfenster besitzt, ist das im Erdgeschoss befindliche Kirchenportal, zu dem eine elfstufige Freitreppe emporführt. Das spitzbogige, durch zwei Rundstäbe und drei Hohlkehlen reich profilierte Portal zeigt in dem über der Eingangstür befindlichen Tympanon (Bogenfeld) ein Lamm mit Heiligenschein und Dolch, "das Symbol Christi" und ist bekrönt von einem hochragenden Wimperg (steiler gotischer Giebel über Fenstern und Portalen), dessen Giebelfeld in der Mitte mit einem Dreipass, am Rande aber mit Kleeblatt-Giebelblumen geschmückt ist und an der Spitze einst mit einer später abgebrochenen Kreuzblume geschmückt war.  Durch die gewölbte Vorhalle in das von außen von schlanken Strebepfeilern gestützte Kirchenschiff, das ein durch Rundstäbe und Hohlkehlen reich profilierter Triumphbogen mit dem rechteckigen, gewölbten Altarraum verbindet.   Der hallenartige Kirchenraum ist von drei rechteckig-schmalen, quergestellten Kreuzgewölben überdeckt, deren halbrunde Rippen auf rechteckigen Wandpfeilern mit Ecksäulchen ruhen. Sein Licht erhält der Raum vor allem durch sechs frühgotisch gestaltete Fenster, deren Lichtlinie aus zwei aneinander gestellten Spitzbogenfenstern mit darüber sitzendem Rundfenster besteht, und im Altarraum durch ein dreifach gekuppeltes Spitzbogenfenster mit darüber gesetzten Rundfenstern. Ebenso wie der neugotische Taufstein und die auf Kleeblattbogen und vier Säulen mit Knollenkapitälen  ruhende Kanzel von Stein ist, so besitzt die Kirche auch eine auf vier Säulen mit Laub und Knollenkapitälen ruhende steinerne Empore, deren Brüstung aus lauter kleinen Pfeilern mit vorgelegten Halbsäulchen besteht. Außer den Sitzbänken und dem neugotischen Orgelgehäuse ist in diesem steinernen Raum lediglich die Balkendecke über der Empore von Holz.  Das verhältnismäßig recht stilrein gehaltene Äußere der Kirche, an dem neben dem stilwidrigen Konsolengesims unter der Dachtraufe vor allem auch der stillose Eingang zur Familiengruft stört, zieren noch sechs alte Grabsteine und Epitaphe, die beim Abbruch der alten Kirche gerettet und in die Fußmauern der jetzigen eingelassen wurden. Es handelt sich auf der Südseite um drei Grabsteine aus dem 17. Jahrhundert, von denen die beiden rechten zwei Herren von Puster, ehemalige Patrone der Kirche, darstellen, und der linke den hessischen Rittmeister Michael Ludwig von Stetten, der 1632 in der Schlacht bei Lützen durch einen Schuss in den Kopf oberhalb des linken Auges im Alter von 37 Jahren fiel.  Die östliche äußere Chorwand enthält eine Rokoko-Gedenktafel an den Gladitzer Pfarrer Johann Georg Stallknecht (1755-1795) mit den Namen der in seiner Amtszeit von ihm beerdigten acht Toten und die Nordwand die Grabtafeln zweier jugendlicher Mitglieder der Familie von Landwüst, die links das Familienwappen der Landwüsts und rechts das Familienwappen der Mutter der Kinder, einer geborenen (Johanna Dorothea) "von Erffa" zeigen. Die Inschrift lautet: "Alhier Ruhet in gott das wohlgebohrne Herr Herrlein Wilhelm Dietrich von Landwüst ist geboren den 12. April 1719, gestorben den 17. Julii 1719 hat im Alter bracht 13 wochen und 4 Tage" und "Alhier Ruhet in Gott das wohlgebohrne Fräulein Fräulein Christiana Wilhelmina von Landwüst ist gebohren den 17. Jan. 1718 gestorben den 17. Mai 1719 hat im Alter bracht auff ein Jahr 15 Wochen 1 Tag." Quelle: Arthur Jubelt "Unsere Heimat im Bild" Nr. 107, 1937 Rechtschreibung neuen Regeln angepasst Fotos: S. 53 – Unsere Heimat im Bild, Nr. 107, 1937            S. 55 – Reproduktion Postkarte, Autor unbekannt            S. 57 –  Unsere Heimat im Bild, Nr. 107, 1937            Umschlagseite: D. Kühn Erläuterungen D. Kühn: Monstranz    - in einem der Sonnenscheibe                        nachgebildeten Strahlenkranz mit                       Edlesteinen zeigt die Monstranz die Hostie,                       zum Abendmahl verwendete Brot, meist als                      Oblaten Chorrock  - Kleidungsstück, das während des                   Gottesdienstes getragen wird   Sakristei   -  ein Nebenraum, in dem aufbewahrt wird,                     was für den Gottesdienst benötigt wird Renaissance  - Kunstepoche im 15. und 16. Jahrhundert Barock  - Kunstepoche etwa von 1575 - 1770 Laterne – Turmaufsatz – s. alte Kirche Kirchenschiff  - die Längsräume von Kirchen,, s. Abb.                          Rückseite Turmhelm  - s. Abb. Rückseite Trinitatis  - Dreifaltigkeitsfest, erster Sonntag nach                    Pfingsten Kleeblattbogenfenster  - s. Abb. Rückseite Sechspassfenster  - s. Abb. Rückseite Tympanon  - in der Architektur eine Schmuckfläche in                      Giebeldreiecken oder im Bogenfeld von                     Portalen - s. Abb. Rückseite Kreuzgewölben - s. Abb. Rückseite Knollenkapitälen - s. Abb. Rückseite Epitaphe - Denkmal mit einer Gedenkinschrift Anmerkung: Die Beschreibung der Kirche ist ausschließlich der genannten Quelle entnommen. Dieser Zustand entspricht nicht mehr den aktuellen Gegebenheiten, besonders dadurch, dass der Turm nicht mehr existiert. Er stürzte infolge einer Sturmbö im Dezember 1986 ab. Leider sind die Grabplatten an der Seite (s.oben) heute total verwittert und die Figuren nicht mehr erkennbar.