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Der Bergbau um Gladitz Gladitz liegt am südwestlichen Rand des Zeitz-Weißenfelser Braunkohlereviers und wurde somit schon frühzeitig vom Aufschwung des Braunkohlenbergaus beeinflusst und geprägt. Die fortschreitende Technisierung und Industrialisierung ließ in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere mit der Einführung der Dampfmaschine, den Brennstoffbedarf sprunghaft steigen. Dieser Bedarf konnte infolge der zurückgehenden Waldbestände mit Brennholz nicht mehr gedeckt werden, und so wandte man sich auf der Suche nach neuen Energieträgern der Kohle zu, die sich durch einen wesentlich höheren Energiegehalt auszeichnete und als einheimischer Rohstoff zur Verfügung stand. Die Mächtigkeit der Kohleflöze im genannten Revier lag im Durchschnitt bei 10-20m Meter, wobei die Abraumdecke oft nur wenige Meter betrug. Ausläufer des Flözes reichten bis unter unser Dorf, sodass die Kohle fast zu Tage trat und das Deckgebirge an manchen Stellen nur eine Mächtigkeit von 1m hatte. Diesen Umstand machten sich die Grundbesitzer, insbesondere die Bauern, zunutze und begannen auch in der Umgebung von Gladitz die auf den Feldern in geringer Tiefe lagernden Braunkohlevorräte abzubauen. Bereits 1835 eröffnete der Rittergutsbesitzer Otto auf seinem Feld am Gladitzer "Weinberg" einen Braunkohletageau. Im Norden wurde das Grubenfeld durch die heute noch vorhandene Geländestufe und im Süden durch den nördlichen Dorfrand begrenzt. Die Kohle wurde in der eigenen Ziegelei und Schnapsrennerei verwendet und zum Teil auch in den Handel gebracht. Die Klarkohle wurde zu Torfsteinen, von Hand geformten und an der Luft getrockneten Kohleziegeln verarbeitet und ebenfalls verkauft.
Schon nach wenigen Jahren war der kleine Tagebau ausgekohlt und Otto ging zum unterirdischen Abbau im Stollenbetrieb über. Die Förderung erfolgte mit handbetriebenen Haspeln und Kübeln. Mit der Durchführung des Regulativs von 1843 – einer Ergänzung des bestehenden Berggesetzes- erhielt die Otto'sche Grube die Nummer 89. Im Jahre 1854 sind auf der Grube 5 Schächte, ein Revierhaus und 2 Trockenschuppen für Torfsteine vorhanden. Im gleichen Jahr wird die Grube 89 in der "Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinewesen im Preußischen Staat" mit einer Förderleistung von 120 000 Tonnen an zweiter Stelle im Zeitz-Weißenfelser Revier hinter der Gruhl'schen Grube zu Runthal (139 000 t) aufgeführt. Die Kohleförderung ging jedoch infolge ständig wachsenden Konkurrenzdrucks und geringer Wirtschaftlichkeit immer mehr zurück und im Oktober 1855 beabsichtigte der Besitzer Otto, sein Braunkohlenbergwerk zu verpachten. Im Jahre 1856 wurde die Grube nach einer längeren Förderpause stillgelegt. Unter anderem konnten mit den damaligen Handpumpen die Grundwasserprobleme nicht mehr bewältigt werden. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wuchs der Kohlebedarf in starkem Maße an. die Kohle wurde nicht mehr nur für Heizzwecke verbrannt, sondern sie gewann auch als Grundstoff der aufblühenden chemischen Industrie mehr und mehr an Bedeutung. Vor allem für die Verschwelung zur Teergewinnung wurden wachsende Kohlemengen benötigt. Dieser steigende Bedarf war mit den Kleinst-und Kleinbetrieben, die bisher die Kohle förderten, nicht mehr zu decken. Eine Vorstellung, wie umständlich, schwierig und auch gefährlich  der Kohleabbau war, zeigt nebenstehendes Foto, das 1926 im Tagebau "Kurt" aufgenommen wurde. Es begann zwangsläufig ein Erneuerungs- und Konzentrationsprozess, in dessen Verlauf weitaus größere Unternehmen entstanden, die zu industriellen Verfahren übergehen konnten. 1864 wurde die erste größere Grube, Nr 440, zwischen Gladitz und Streckau gegründet. Sie wurde mit Maschinenkraft betrieben und verfügte bereits über eine Schwelerei. Diese Grube war allerdings nur bis 1867 in Betrieb. Nach zahlreichen Grubenaufschlüssen in den Fluren von Oberschwöditz, Hollsteitz, Trebnitz, Gaumnitz, Streckau, Luckenau und Weidau wurde 1888 durch die "A. Riebeckschen Montanwerke" nahe bei Gladitz die Grube "Kurt" angelegt. Das umfangreiche Grubenfeld befand sich zwischen der östlichen Dorfgrenze und der ehemaligen Grube Nr. 440 am Gladitz-Streckauer Weg. In südlicher Richtung erstreckte es sich fast bis an die Ortslage Groitschen heran. Da sich die gesamte Grubenanlage überwiegend auf Gladitzer Flur befand, wurde Grube "Kurt" im allgemeinen Sprachgebrauch auch "die Gladitzer" genannt. Die Schwelereianlage der Grube wurde als Ersatz für bereits ausgekohlte und stillgelegte Betriebe ständig erweitert und modernisiert. Mit ihren 110 Schwelöfen war sie nach der Anlage "von Voß" nahe Gröben (120 Öfen) der zweitgrößte Schwelbetrieb dieser Art in Deutschland, gefolgt von der Schwelerei Groitschen mit 106 Öfen. Die Rohkohleversorgung der Schwelerei erfolgte aus dem eigenen Tagebau, der in mehreren Baufeldern betrieben wurde, sowie den Tiefbaubetrieben "Neue Sorge" und "Paul". 1920 errichtete man eine neue Förderanlage. Der neue Förderturm war von nun an ein imposantes Wahrzeichen der "Gladitzer", das noch mehr als 20 Jahre das schwarze Gold ans Tageslicht förderte. 1935 wurde der Tagebaubetrieb der Grube"Kurt" eingestellt. Die Kohleversorgung der Schwelerei erfolgte nur noch durch die genannten Tiefbaubetriebe durch unterirdische Strecken mit Kettenbahnen. Die Bagger des Tagebaues "Kurt" hatten sich bis an die östliche Dorfgrenze von Gladitz herangearbeitet. Wo einst der Tagebau war, sind heute noch die Kippenböschungen erkennbar. Sie ziehen sich vom Baumgarten der ehemaligen Gärtnerei, am Bachrand des Grazilbaches entlang des Wiesenweges, an der ehemaligen Untermühle vorbei in Richtung Kirschberg oberhalb der Jugendherberge Kretzschau in mehreren Etagen hin. Die Kippenflächen wurden rekultiviert und wieder landwirtschaftlich genutzt. Die Kippenböschungen wurden mit Kirschbäumen bepflanzt. Im Nordosten von Gladitz wurden die Kohlefelder von der Grube "Emma" der "Werschen- Weißenfelser Braunkohle AG" ausgebeutet. Als letzte Lagerstätte wurde der Gladitzer Wegepfeiler- das ist das ehemalige Tagebaugelände, an dessen Rand sich die inzwischen sanierte Müllkippe von Gladitz- abgebaut.  1938 wurde die letzte Kohle gefördert. Damit endete die Kohlegewinnung in der unmittelbaren Umgebung von Gladitz. 1942 wurde die Grube und Schwelerei"Kurt" stillgelegt. In den Folgejahren bis 1945  diente ein Teil der Betriebsgebäude als Gefangenenlager für englische und sowjetische Kriegsgefangene. 1947 wurde der Rückbau der Tagebauanlagen abgeschlossen.   Im Zweiten Weltkrieg war die im Kohlestoß des Tagebaues "Kurt" zutage tretende Förderstrecke vielen Gladitzern Zufluchtsort als Luftschutzbunker bei Fliegeralarm. Der ehemalige Tagebau "Kurt" ist das Waldstück, welches sich zwischen dem Flurstück "Kippe"  und dem jetzigen Tagebaurestloch "Kurt" mit seinem Tagebausee, der mit dem Tagebausee "Schädemulde" verbunden ist, erstreckt. Hier befindet (heute nicht mehr) sich auch die Pumpstation zur Regulierung des Wasserstendes im Tagebausee. Im nördlichen Teil des Sees erstreckte sich, 40 m höher gelegen, die ehemalige Werksanlage "Kurt". Noch heute befinden sich ca. 2m unter dem Wasserspiegel die gemauerten Gewölbe der Pumpen-und Maschinenräume für die Förderkettenantriebe des Fußpunktes vom ehemaligen Förderschacht. Obwohl ein großer Flächenanteil des Tagebaugeländes nach der Auskohlung wieder urbar gemacht und der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt wurde,  mussten große Geländeteile wie Tagebauböschungen, minderwertige Böden u.ä. aufgeforstet werden.  Diese Bereiche, das gesamte ehemalige Tagebaugelände "Kurt", die Schädemulde und Streckau, bereichern mit ihren Waldflächen und dem Tagebausee die einstmals karge Bergbaulandschaft und schaffen neue Lebensräume für Flora und Fauna.    Aber auch in der Dorflage Gladitz findet man noch Zeugen aus der bergbaulichen Vergangenheit. 1921 aute die Firma Polensky & Zöllner den Abraum im Tagebau ab und legte das Kohleflöz frei. Der Werkstattstützpunkt dieser Firma befand sich mehrere Jahre unmittelbar am Ortsausgang von Gladitz. Bis in die 50iger  Jahre wurden die Baracken der Betriebsbüros, die Wellblechbaracke und das Magazin als Wohnungen genutzt.  Das Magazin, ein typisches Bergbaugeäude mit einfacher Balkenkonstruktion, ausgemauert mit Ziegeln, steht heute noch und wird privat als Schuppen genutzt. Die Pflaumendarre, ein kleines Gebäude neben dem Kriegerdenkmal, auf dem Gelände des Baumgartens, war eine  Pumpstation für das Speisewasser der Dampflokomotiven und Dampflöffelbagger. Durch eine Rohrleitung wurde das Wasser aus dem Teich des Waals in die Pumpstation und dann mittels elektrisch betriebener Pumpen in die Wasserstationen des Tagebaus geleitet. Mit dem Aufbau von Wasserleitungen im Tagebau wurde diese Wasserversorgungsanlage überflüssig und stillgelegt. In den Jahren 1947/48 wurde die von der Pumpstation in Richtung Grube "Kurt" führende gusseiserne Druckleitung ausgegraben und für den Bau der Wasserleitung im Wiesenweg und der Schulstraße genutzt. Der Bergbau in der unmittelbaren Umgebung von Gladitz ist zwar zum Erliegen gekommen, aber mehr als 100 Jahre waren unser Dorf und seine Bürger aufs Engste mit dem wirtschaftlichen Werdegang der Baraunkohleindustrie verbunden. Wir wollen deshalb dafür wirken, dass noch weitere Informationen und Fakten aus diesem bedeutungsvollen geschichtlichen Abschnitt unseres Heimatdorfes zusammengetragen und künftigen Generationen übermittelt werden. Quelle: Festschrift zum 950-jährigen Jubiläum Gladitz 1992 Autoren: R. Kirsten, G. Poser
Gutsbesitzer Otto