Gladitz und seine Sprache Startseite Aktuelles 25.4.2017 Lage Ansichten Geschichte Firmen Vereine Publikationen Gästebuch Heimatstube Chronik
Aussprache Der Unterschied zum übrigen Sachsen-Anhalt (nördlich) wird allein dadurch deutlich, dass in der Gegend um Halle und weiter nördlich anstelle des -g im Wortanfang fast immer -j gesprochen wird. Gruußfresse - Jroßfresse Giftzwersch - Jiftzwerch Gorke - Jurke Schreibweise Für den Verfasser eines solchen „Werkes" ist es sehr schwierig von der Lautsprache auf eine entsprechende Schreibweise zu schließen. Das ist besonders dann der Fall, wenn eine Häufung von Konsonanten auftritt und entschieden werden muss, wie lang gesprochene Vokale geschrieben werden. Der Verfasser hat bei den Konsonanten die Aussprache als Grundlage genommen, lange Vokale als Doppelbuchstaben oder mit Dehnungs -h geschrieben. Werden zwei Vokale getrennt gesprochen, so ist der zweite Vokal mit Bindestrich abgetrennt. Bsp.: zwe-e - zwei Ich gehe davon aus, dass allgemein bekannt ist, Buchstabenkombinationen wie -st- und -sp- als -scht/schp- zu sprechen, was in der Schreibweise nicht berücksichtigt wurde. Die Buchstabenkombination -qu wurde in der Schreibweise nicht als -kw oder -gw berücksichtigt, da die Aussprache nicht bedeutend von der üblichen Form abweicht. Die Aussprache tendiert in unserer Gegend eher zu -kw -also eher stimmlos-, als zu dem im Sächsischen üblichen -gw. In das vorliegenden Büchlein wurden Wörter aufgenommen, die sich wesentlich in Aussprache und Bedeutung vom normalen Deutsch unterscheiden. Einige Grundregeln für die Aussprache sind aber erkennbar. Konsonanten Im für das Sächsische typischen Stil werden stimmhafte und stimmlose Konsonanten oft vertauscht. k wird zu g p wird zu b - g wird im Wortstamm meist zu - sch mit einem Hauch von Stimmhaftigkeit verändert. gegen - geeschen gurgeln - gurscheln Das -b wird bei mehrsilbigen Wörtern in der Wortmitte oftmals zu -w umgebildet. Dadurch wird der davorstehende, ursprünglich lang gesprochene Vokal, oft kürzer ausgesprochen, was in der Schreibweise durch die Verdopplung des genannten -w dargestellt wird. Gabel - Gawwel ich habe - ich hawwe Paradoxerweise trifft diese Regel aber nicht immer zu. Bei manchen Wörtern mit gleicher Struktur findet die Veränderung nicht statt. Eine Vokalverlängerung tritt z.B. nicht auf bei Nabel - Nawel Bei zweisilbigen Wörtern wird der Stammvokal bei Vorkommen von - d in der Wortmitte auch verkürzt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass sich das -d verdoppelt. Faden - Fadden, Nadel - Naddel. Auch hier muss einschränkend gesagt werden, dass die Veränderung nicht immer zutrifft. z. B. „Tadel" wird nicht verändert. Die Kombination -ch (ich) fällt offensichtlich schwer auszusprechen und wird mit wenig Sorgfalt artikuliert. Dadurch entsteht die typisch sächsische Aussprache als -sch. Endungen Die Endung -ig bei Adjektiven wird immer zu -sch. fertig - fertsch ständig- ständsch gefräßig- gefräßsch Die Endungen -heit und -keit bei Substantiven werden immer zu -heet und -keet. Zufriedenheit -Zefriedenheed Freundlichkeit- Freindlichkeet Verbendungen auf -en werden meist weggelassen. Kannste ma helfe? Kannst du mal helfen Vokale Das -a wird trotz Schreibweise -a häufig sehr dumpf, fast zum -o klingend gesprochen. Mark - Mork Das -o wird fast immer zum -u hingezogen: Tor - Tur Hoffnung - Huffnung Ofen - Uufen Diphtonge (Zwielaute) Diphtonge werden ebenfalls häufig verändert: -eu wird zu -ei heute - heite Leute - Leite -au : bleibt in der Grundstruktur erhalten, das einleitende -a wird bedeutend gedehnter gesprochen. Häufig wird -au zu einem langen - o umgebildet. Baum - Boom glauben - gloom -äu wird ebenfalls zu -ei. Fräulein- Freilein (auch Frollein) Bräutigam - Breitigam (wurde aber früher oft noch mehr reduziert zu Breitschn, ist heute nicht mehr gebräuchlich). -ei wird zu -ee (lang gesprochen) kein - keen heim - heem Aber auch hier sind Ausnahmen vorhanden. Keim/Reim wird nicht zu „Keem", Reem", sondern bleiben unverändert.   Umlaute Bei den Umlauten wird das -ä noch am ähnlichsten gesprochen, jedoch teilweise übertrieben gedehnt. Das - ö wird sehr oberflächlich artikuliert und ähnelt dadurch eher dem - e. Öfen - Eefen öde - ede Die gleiche Oberflächlichkeit trifft auf das  zu. Dadurch entsteht eine Ähnlichkeit zu -i. grün - grien Spüle - Spiele Silben Die Silbe auf- wird in allen Situationen zu uff- reduziert. aufmerksam - uffmerksam                                                                                          aufmachen - uffmachen                                                                                                Manchmal wird nicht so stark reduziert, so dass auch -off entsteht.                           zurück zu Publikationen